Der Ausschuss für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften (AGW) ist der ständige Ausschuss für Theoriegeschichte und Dogmengeschichte im Rahmen des Vereins für Socialpolitik (VfS), der größten deutschsprachigen Gesellschaft für Wirtschaftswissenschaften.
Der Ausschuss versteht sich als wissenschaftliche Plattform, die Ökonominnen und Ökonomen aus dem deutschen, österreichischen und schweizerischen Hochschulraum sowie aus benachbarten Ländern zusammenführt, die sich mit den methodischen, philosophischen, ideengeschichtlichen und historischen Dimensionen der Wirtschaftswissenschaften befassen.
Die jährliche Tagung bildet das Herzstück der Ausschusstätigkeit. Sie bietet ein Forum für Forschungsdiskussionen, für die Begegnung zwischen Nachwuchs und erfahrenen Forscherinnen sowie für den internationalen Austausch über die Theoriegeschichte als Disziplin.
Der AGW ist Mitglied im internationalen Netzwerk historisch-ökonomischer Gesellschaften, darunter die European Society for the History of Economic Thought (ESHET) und die History of Economics Society (HES).
Der Ausschuss für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften (AGW) ist einer der ständigen Fachausschüsse des Vereins für Socialpolitik (VfS), der ältesten wirtschaftswissenschaftlichen Berufsorganisation der Welt (gegründet 1873). Der AGW wurde 1980 auf Initiative von Fritz Neumark gegründet; die erste Jahrestagung fand in Gießen statt. Als eigenständiger Ausschuss bündelt er die Forschung zur Theorie- und Dogmengeschichte der Wirtschaftswissenschaften im deutschsprachigen Raum.
Die Beschäftigung mit der Geschichte des ökonomischen Denkens hat im deutschsprachigen Raum eine lange Tradition. Zur Zeit der Historischen Schule galt sie als selbstverständlicher Teil der ökonomischen Ausbildung; Werke wie Wilhelm Roschers Geschichte der Nationalökonomik in Deutschland (1874) oder Joseph Schumpeters Epochen der Dogmen- und Methodengeschichte (1914) prägten das Fach. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Theoriegeschichte in der Bundesrepublik jedoch zunehmend in den Hintergrund — eine Entwicklung, der die Gründung des Ausschusses bewusst entgegenwirkte.
Wie die übrigen Fachausschüsse des Vereins versammelt der AGW Spezialistinnen und Spezialisten seines Gebiets, die zu den Jahrestagungen eingeladen werden und dort eigene Arbeiten vorstellen und diskutieren. Die Tagungen finden an wechselnden Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie gelegentlich im Ausland statt und sind in der Regel einem besonderen Thema gewidmet.
Die Tagungsbeiträge erscheinen seit den frühen 1980er Jahren in der Reihe Studien zur Entwicklung der ökonomischen Theorie (Schriften des Vereins für Socialpolitik, Band 115) bei Duncker & Humblot in Berlin. Mit inzwischen über vierzig Bänden ist sie das wichtigste Publikationsforum für die deutschsprachige Theorie- und Dogmengeschichte; die ersten Bände wurden von den jeweiligen Vorsitzenden des Ausschusses herausgegeben.
Die Bände spiegeln die thematische Bandbreite des Ausschusses wider — von Adam Smith, dem Merkantilismus und der Physiokratie über die deutsche Nationalökonomie des 19. Jahrhunderts und die Konjunkturtheorie bis zu Friedrich List und, anlässlich des zehnjährigen Bestehens, der Darstellung der Wirtschaft in der schönen Literatur. Die Jahrestagung 2022 in Jena war dem 150-jährigen Bestehen des VfS gewidmet (Band XLI der Reihe, hrsg. v. Peter Spahn).
Der AGW pflegt enge Beziehungen zu den internationalen Schwestergesellschaften ESHET (European Society for the History of Economic Thought) und HES (History of Economics Society) sowie zu weiteren nationalen Vereinigungen im deutsch- und europäischsprachigen Raum.
Bertram Schefold, „The Revival of Economic Thought in Germany: The Dogmenhistorischer Ausschuss“, History of Political Economy 26, Nr. 2 (1994), S. 327–335. doi.org/10.1215/00182702-26-2-327
Amtszeiten ab ca. 1990 aus Tagungsbänden erschlossen; Angaben vor 1990 approximativ.
§ 1 Zweck — Der Ausschuss dient der Förderung der Forschung und des wissenschaftlichen Austausches auf dem Gebiet der Geschichte der Wirtschaftswissenschaften. Er unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs und fördert die Exzellenz auf seinem Fachgebiet.
§ 2 Mitgliedschaft — Mitglieder müssen wissenschaftlich auf dem Gebiet der Geschichte der Wirtschaftswissenschaften ausgewiesen sein und die Mitgliedschaft im Verein für Socialpolitik besitzen. Die Kooptation neuer Mitglieder erfordert eine Zweidrittelmehrheit der Mitgliederversammlung. Langjährig aktive Mitglieder im Ruhestand können den Status eines Senior-Mitglieds einnehmen (entbunden von der Anwesenheitspflicht, ohne Stimmrecht).
§ 3 Vorsitz — Die/der Vorsitzende wird von der Mitgliederversammlung in geheimer Wahl mit einfacher Mehrheit für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt. Einmalige Wiederwahl ist zulässig. Die/der Vorsitzende nimmt alle laufenden Geschäfte wahr und vertritt den Ausschuss im Erweiterten Vorstand des VfS.
§ 4 Mitgliederversammlung — Die Mitgliederversammlung tagt mindestens einmal jährlich im Rahmen der Tagung. Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit gefasst; Satzungsänderungen erfordern eine Zweidrittelmehrheit. Die Versammlung ist beschlussfähig bei Anwesenheit von mindestens einem Viertel der stimmberechtigten Mitglieder.
§ 7 Formelles — Satzung, Mitgliederverzeichnis und Tagungsprogramme des Ausschusses sind öffentlich zugänglich (§ 7 Abs. 2).